Beispiele für Medienreferenzen

Beiträge für einen BB-Radio-Podcast
im 1. Quartal 2021



Im aktuellen Jahr 2021 strahlt BB Radio Länderwelle Berlin/Brandenburg die Rubrik "Warum sind wir so?" aus, in der ich jeden Tag mit der kurzen Beantwortung von psychologischen Fragen auf Sendung bin und die auch als Podcast verfügbar ist. In den bewusst heiteren Formulierungen möchte ich einmal einen Gegenentwurf zum populären einfachen Deutsch bieten.



Warum sind wir eifersüchtig? (11.01.2021)




Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Sobald wir nach Anhaltspunkten für ein mögliches Fremdgehen unseres Partners Ausschau halten, machen wir uns selbst klein und einen potenziellen Nebenbuhler groß. Hier hilft es, sich selbst aufzurichten und sich klar zu machen, dass die Gründe des Partners, immer noch bei mir zu sein, triftig sind.


Warum protzen wir mit großen Autos? (12.01.2021)




Die beliebte Einheit von Mensch und Fahrzeug ist letztlich ein kentaurisches Motiv. Das heißt, es existieren Ähnlichkeiten mit dem mythologischen Fabelwesen eines Zentaurus, eines Mischwesens aus Mensch und Pferd. Auch beim Autofahren reiten wir ja auf einer größeren animalischen Energie und verwandeln uns quasi zum Hybridwesen mit menschlicher Front und Pferdeunterleib. Je mehr PS, desto kraftvoller spüren wir uns unter der Haube und geben damit an.


Warum applaudieren wir? (13.01.2021)




Bringen wir gemeinsam den Salut unserer Hände dar, dann wollen wir vergleichsweise anonym eine Leistung würdigen. An unserer gewöhnlichen Stimme wären wir nämlich erkennbar. Außerdem erzeugt Händeklatschen ein Gemeinschaftsgefühl und ist das ideale Körpergeräusch einer Gruppe, da es nicht zu laut und nicht zu leise klingen kann. Auch vor einer Aufführung beginnen wir ja manchmal zu applaudieren. Dies ist dann eine liebenswürdige Form, rechtmäßige Ungeduld zu äußern, da sie zugleich Beifallslust zum Ausdruck bringt.


Warum haben wir Vorurteile? (14.01.2021)




Wir neigen dazu, unserer Welt eine körnige Textur zu verpassen. Je einfacher wir es unserem Denken machen, desto anstrengungsloser kommen wir durch das Leben. Haben wir erst einmal unsere Vorurteile gefasst und Schubladen für schnelle Einsortierungen eingerichtet, können wir rasche Urteile fällen, die dann aber natürlich meistens falsch sind. Ich sage immer: Wir sind für unsere Sichtweise sehend und für unsere Blindheit blind.


Warum geben wir unseren Partnern Spitznamen? (15.01.2021)




Wird ein Spitz- oder Kosename nur vom eigenen Partner benutzt, ist eine exklusive Innigkeit markiert. Dabei nennen wir unsere Partner so, wie wir sie gerne haben würden. "Bärchen" wäre hier die gewünschte starke Schulter, "Hase" das kuschelige aber zugleich sexuell aktive Wesen, "Spatz" und "Mausi" betonen die Harmlosigkeit, "Baby" nennt man, um den man sich kümmern möchte, "Engelchen" will die Inspiration und "Schatz" den besonderen Glanz.


Warum lieben viele Frauen das Einkaufen? (18.01.2021)




Frauen sind herkunftsmäßig Sammlerinnen und die braucht man heute mehr denn je, denn aus der Sammlerin ist auf dem kürzesten Weg die Konsumentin geworden. In diesem Punkt sind Frauen viel kapitalismuskompatibler als Männer. In der Konsumentin zeigt sich nämlich noch immer die triumphale Genugtuung der Sammlerin, die in ihrem Korb etwas heimbringt. Daraus ist weltweit die Handtasche entstanden. Ein Mann ohne Speer, das geht ja noch, aber eine Frau ohne Tasche ist eher die Ausnahme.


Warum können wir Kindern nichts ausschlagen? (19.01.2021)




Kinder sind oft mit der Unerbittlichkeit ihres Alters auf ein Spielzeug oder eine Nascherei aus. Da es sich zumeist um vergleichsweise geringe Geldwerte handelt, kostet uns das Nachgeben wenig und gibt uns das Gefühl, großzügig zu sein. Allerdings bereuen wir dies zuweilen, wenn das Kind dann nämlich das erworbene Gemeinschaftsbrett tatsächlich mit uns spielenswert findet oder sich nach zwei Stunden aufmerksamster Trommelei auf dem Instrument eingespielt hat.


Warum stehen wir Neuem oft skeptisch gegenüber? (20.01.2021)




Bekanntes Unglück wird unbekannter Zukunft vorgezogen. Haben wir uns einmal in unserem Leben eingerichtet, kostet es uns weniger Energie, auf bisherige Routinen zurückzugreifen und den ausgetretenen Pfaden zu folgen, als die Anstrengung zu unternehmen, uns Neuem probeweise auszusetzen. Immerhin hat das Alte bislang reibungslos funktioniert. Das eigene Gehirn arbeitet wie das Zentralkomitee einer Partei, die zu lange an der Macht war.


Warum glauben wir an Übernatürliches? (21.01.2021)




Menschen bewundern immer das, was sich ihrem Verständnis nicht ohne weiteres fügt. Dabei sind wir schnell bereit, das Wirken höherer Mächte anzunehmen, sobald wir etwas nicht durchdringen - vor allem übrigens dann, wenn wir glauben, das Unbegreifliche sei uralt und habe lange existiert, bevor wir selbst zur Welt kamen. Indem wir später mehr und mehr Wissen erlangen, erscheinen uns alte Glaubenssysteme wie entladene Batterien, die uns nicht mehr genug faszinieren, um uns von drüben her zum Leuchten zu bringen.


Warum werden wir im Alter schrulliger? (22.01.2021)




Manchen, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, erscheint jede Lebensveränderung wie ein verabscheuenswertes Symbol für den Hingang der Zeit. Man kaut dann Erinnerungen wie Gummi, dem noch ein Rest Geschmack geblieben ist. Da kaum noch Neues erlebt wird, werden alte Begebenheiten erzählt, oft auch stets mit denselben Wörtern und in derselben Reihenfolge als seien sie das Vaterunser. Dennoch: Keine Grenze verleitet so sehr zum Schmuggeln wie die Altersgrenze.


Warum ziehen sich Menschen über den Tisch? (25.01.2021)




Wie alle biologischen Wesen sind wir auf bestmögliches Überleben und Vorteil bedacht. Der Glaube, dass die Menschen von Natur aus gut sind, ist oft eine Anleitung zum Unglücklichsein. Es werden nämlich nicht selten Gelegenheiten ausgenutzt, wenn kaum Strafe oder Ächtung zu fürchten ist. Manche Menschen sehen dann die schwerfällige Ordnung und Gesetzlichkeit des Alltages aufgehoben, also die Hindernisse und Umständlichkeiten, die im gemeinen Leben sich der Begierde entgegen stellen, auf glückselige Weise beiseite geräumt.


Warum ist unser Appetit nicht immer gleich? (26.01.2021)




Unser Appetit ist im Laufe des Jahres nicht immer gleich. In früheren Zeiten gab es im Winter weniger zu essen und man nahm eher ab und im Sommer zu. Heute ist es genau umgekehrt. Wir futtern uns Winterspeck an und sind dann spätestens im Frühsommer mit Blick auf die Strandfigur bemüht, unseren übergewichtigen Wohlstand zu schmälern.


Warum sind wir für Angst empfänglich? (27.01.2021)




Jedes biologische Wesen ist darauf gepolt, potenzielle Gefahren für das eigene Überleben blitzschnell zu erkennen. Sicherheitshalber nehmen wir Reize und Sorgen ernster als sie es sind. Die Massenmedien der Menschen werden auch künftig dabei mithelfen, immer wieder neuen Alarm an der Themenbörse zu positionieren; beispielsweise vor der schleichenden Ablagerung irgendwelcher Giftstoffe im Gehirn oder vor den seelischen Spätfolgen des Missbrauchs von Jungen durch überfürsorgliche Mütter oder vor Riesenmeteoren, die direkt Kurs auf die Erde halten.


Warum lassen wir beim partnerschaftlichen Sex nach? (28.01.2021)




Die Natur hat uns so gebaut, dass die Lust in der Lebensphase von potenziellen Familiengründungen am höchsten ist. Wenn wir uns dann umarmen und umbeinen, gerät unsere Männlichkeit und Weiblichkeit rasch in den bedrängendsten Aufstand. Später lassen wir im Bett zuweilen das Köpfchen hängen. Letztlich schielt die Natur also auf Nachkommenschaft, die aus dem jungen Verkehr der Geschlechter hervorgehen kann.


Warum sind wir neidisch? (29.01.2021)




Wir nehmen den Mitmenschen unseren eigenen Eindruck übel, das Leben habe sie besser behandelt als uns. Sobald wir Menschen wahrnehmen, die mehr von dem haben, was wir für uns selbst wünschenswert finden, leidet unsere Seele Zahnweh und unsere Missgunst greift nach spitzen Gegenständen. Aber ich verrate hier ein Geheimnis: Je größer der Reichtum, desto komplizierter das Glück.


Warum wollen wir schlank sein? (01.02.2021)




Schlanksein ist zum neuen Statussymbol geworden. Wirft man einen Blick in die Chefetagen, sieht man dort oft schlanke, sportliche Menschen - während das breite Volk in die Breite geht. Das war ja nicht immer so. In früheren Zeiten litt die Bevölkerung zuweilen Hunger und der typisch Wohlhabende hatte ein schon zur dritten Wölbung bereites Doppelkinn. Heute haben sich die Verhältnisse umgekehrt.


Warum geben wir unseren Autos Namen? (02.02.2021)




In einem Auto nimmt man ja eine ähnliche Körperstellung ein wie als ungeborenes Kind im Mutterleib. Wir sind von seiner Hülle geschützt und nehmen die Umgebungsgeräusche gedämpft wahr. Dieses Gefühl löst nun bei einigen Menschen so viel Vertrauen aus, dass sie ihr Auto wie ein Familienmitglied betrachten und ihm folgerichtig auch einen Namen geben. Als Psychologe würde ich also sagen: Das Auto ist ein rollender Uterus.


Warum wollen wir unsere Partner verändern? (03.02.2021)




In Partnerschaften meinen wir, wir selbst seien richtig und der Andere ein bisschen. Wir möchten ihn dann zu uns herüber ziehen und so verändern, dass er demjenigen entspricht, was in unserer eigenen Herkunftsfamilie gegolten hat. Als perfekter Partner scheint dann derjenige, bei dem wir uns selbst überhaupt nicht verändern müssen. Da der Andere aber bereits perfekt in seine eigene Welt passt und natürlich auch mich dort einfügen möchte, sind die Voraussetzungen gegeben, eine anhaltend strittige Beziehung zu führen.


Warum zeigen sich gute Manieren beim Essen? (04.02.2021)




Essen ist ein soziales Phänomen und von allerlei kulturellen Spielregeln bestimmt. Je beherrschter wir mitspielen, desto parkettsicherer wirken wir. Dazu gehört, dass es dem Gesicht gelingen muss, Wohlgeschmack widerzuspiegeln oder dass man bei Hunger nicht das Stück Fleisch in der Ecke verschlingt, sondern mit scheinbarem Gleichmut die Reste des Essens auf den Teller lädt.


Warum fühlen wir uns beleidigt? (05.02.2021)




Statt eines dicken Felles haben heute viele Menschen ein eher dünnes Nervenkostüm. Sie verhalten sich wie kostbare Vasen aus der Ming-Dynastie: ein falsches Wort und sie haben einen Sprung. Hier wird bei kindlichen Mustern angeknüpft, nämlich bei theatralischen Übertreibungen von winzigen Verletzungen. Sobald die eigene Empfindsamkeit nicht geteilt wird, entsteht gleichsam Kabelbrand an den Nerven-Enden. Auf beiden Seiten hilft dann heitere Gelassenheit.


Warum glauben wir, dass unsere neue Liebe ewig hält? (08.02.2021)




Wenn wir uns neu verliebt haben, neigen wir zur Selbstgratulation. Wir sprechen uns dann mehr Glück oder partnerschaftliche Kompetenz zu als der Durchschnittsbevölkerung. Um jeden Preis wehren wir den Gedanken ab, eine Niete gezogen zu haben. Denn wer in unsere erotische Schusslinie gerät, auf den lassen wir nichts kommen. Allerdings ist die Liebe ja nur selten ein Dauerbrenner und aus paartherapeutischer Einsicht in die Verhältnisse weise ich auf Zerreißproben hin. Auch Partnerschaften besitzen Sollbruchstellen.


Warum misstrauen wir Politik? (09.02.2021)




Politik wird heutzutage zunehmend therapeutisch und möchte sich gern als Entwicklungshilfe für den überforderten Einzelnen begreifen. Der vorsorgende Sozialstaat will mich vor meiner Willensschwäche und Irrationalität schützen. Andere tun also für mich, was ich selbst tun würde, wenn ich bei klarem Verstand wäre. Sobald der Staat als Super-Nanny auftritt und seine Bürger wie Kinder oder Patienten behandelt, sträuben sich viele Haare.


Warum schauen wir gern Trash-TV? (10.02.2021)




Als Zuschauer fühlt man sich stets überlegen, indessen die Handelnden sich unweigerlich blamieren. Wir lieben es zuzuschauen, wie bei anderen Leuten Zankäpfel über den Tisch rollen. Ohne persönlich betroffen zu sein, können wir beobachten, wie Konflikte entstehen, wie die Teilnehmer sich verausgaben und sich deren Gefühlslagen eintrüben oder aufhellen. Oft stellen wir dann mit Schadenfreude fest, dass deren knappes Kapital an Seriosität in der Regel rasch aufgebraucht ist.


Warum halten wir unseren Musikgeschmack für den besten? (11.02.2021)




Musik begleitet uns durch viele Lebensphasen. Da wir sie nach unserer jeweiligen Gefühlslage auswählen, ist sie Teil unserer Identität. Abgesehen davon, dass jeder glauben möchte, er hätte einen besonders erlesenen Geschmack, fühlen wir auch unsere Emotionen in Frage gestellt, wenn unsere Lieblingsmusik bei anderen keinen Anklang findet. In unserer Gefühlswelt möchten wir selbst den Ton angeben; auf die Musik der anderen können wir pfeifen.


Warum reden wir manchmal mit uns selbst? (12.02.2021)




Den Menschen geht es um ihr Beachtlichsein, ob sie nun interessant und sehenswürdig sind oder nicht. Reden wir mit uns selbst, haben wir den perfekten Kommunikationspartner, denn mit uns sind wir meistens einverstanden und von eigenen Ideen leicht zu begeistern. Auch wenn wir also keinen echten Zuhörer haben, können wir redetüchtig bleiben. Eine Sonderform sind Influencer: Die setzen sich zum Selbstgespräch nachts vor die Webcam.


Warum wünschen wir uns Kinder? (15.02.2021)




Die Fähigkeit, Leben zu schenken, vermittelt uns ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Wer sich als Brunnen des Lebens erweist, empfindet sich als Juniorpartner der großen Natur. Der Wunsch nach Kindern kann hier dem eigenen Leben Richtung und Stoßkraft verleihen. Wem immer mal wieder Säuglinge anliegen, deckt oft auf diese Weise seinen Sinnbedarf. Inwieweit dann das Familienleben tatsächlich allen Wunschvorstellungen entspricht, steht auf anderem Blatt.


Warum tun wir nicht gern, was andere von uns wollen? (16.02.2021)




Berührungen mit dogmatisch Gesagtem provozieren bei vielen Menschen heute antiautoritäre Reflexe, die sich nahezu zwanghaft einstellen. Wir glauben es unserer eigenen Würde schuldig zu sein, den uns erteilten Ratschlägen nicht zu folgen. Selbst im Sport- und Freizeitbereich nehmen wir Verhaltensanweisungen nur mit Murren hin. Man denke beispielsweise an die Kabinenstandpauke des Trainers an eine formschwache Mannschaft.


Warum lästern wir? (17.02.2021)




Lästern schlägt zwei Fliegen. Zum einen wird die soziale Beziehung zu denjenigen vertieft, mit denen wir gemeinsam lästern. Zum anderen werden beim Lästern ja die Schwächen der Nichtanwesenden betont, sodass wir uns über sie stellen und selbst aufwerten können. Bereits im Mittelalter trafen sich Frauen des Dorfes am Waschplatz, um im doppelten Sinne schmutzige Wäsche zu waschen. Sie wurde auf einen Stein geschlagen, wodurch das typische Geräusch entstand, das man noch heute als Klatsch bezeichnet.


Warum lieben wir soziale Netze im Internet? (18.02.2021)




Wir schlagen unseren Faden in ein Netz von Beziehungen. Social-Media-Plattformen sind nun deshalb so reizvoll, weil wir dort nirgendwo außer Acht gelassen werden. Wir können sie als Instrumente der Selbstpräsentation nutzen und uns der Illusion hingeben, unsere Kundgebungen seien für andere irgendwie interessant. Immerhin kann eine durchschnittliche Sechszehnjährige von heute über soziale Medien mehr Zeitgenossen erreichen als Caesar vom Capitol aus auf dem Höhepunkt seiner Macht.


Warum streiten Frauen und Männer unterschiedlich? (19.02.2021)




Grob gesagt sind Frauen eher beziehungsorientiert und Männer sachorientiert. Aus diesem Grund meinen die Männer, sie müssten mit ihrem Fingerzeigfinger auf Dies und Das hinweisen. Umgekehrt suchen Frauen die Kundgebungen ihrer Männer oft nach verletzenden, gegen sie als Person gerichtete Äußerungen ab. Wenn ein Mann sagt, das Problem mit Frauen sei, dass sie alles persönlich nehmen, wird die Frau antworten: Auf mich trifft das nicht zu!


Warum wirkt Gähnen ansteckend? (22.02.2021)




Gähnen zeigt nicht nur, dass unsere Müdigkeit ins Ziel geführt werden möchte, sondern feuert auch die Spiegelneuronen von Beobachtern an. Die ansteckende Wirkung des Gähnens ist also Ausdruck unbewusster Empathie und trägt dazu bei, den Zusammenhalt innerhalb von Gruppen zu stärken. Mein Ratschlag aus der Praxis: Möchte man einmal ein aufkommendes Gähnen unterdrücken, dann genügt es, die Zungenspitze kurz mit dem Finger anzutippen.


Warum geben wir uns gern sportlich? (23.02.2021)




Die meisten Menschen brauchen sich im Alltag nicht mehr schwer muskulär anstrengen. Eine Ausnahme bilden Körperkünstler, die man heute ja Sportler nennt. Wenn Muskeln noch beansprucht werden, dann gern unter einem artistischen oder künstlerischen Vorzeichen. Es ist nämlich oft so, dass Sport ab einem gewissen Leistungsniveau - übrigens genauso wie ein Kunstwerk - um des Zeigens willen betrieben wird. Eine Sonderform sind Extremsportler; diese müssen sich den Tod bekanntlich hart erarbeiten.


Warum ist beim Tratschen der Wahrheitsgehalt nicht entscheidend? (24.02.2021)




Wir lieben es, Neuigkeiten auszutauschen. Sobald unsere Mitteilungen für Andere interessant sind, streichen wir den Lohn in Form von Aufmerksamkeit ein. Indem wir uns also als gut vernetzte Informanten ausgeben, ziehen wir das Interesse auf uns, auch wenn unsere Äußerungen der tatsächlichen Wahrheit in nichts verpflichtet sind. Die Evolution hat den Menschen so gebaut, dass er bestmöglich überlebt. Richtigkeit und Wahrheit sind dabei untergeordnete Ziele.


Warum geben wir unseren Eltern Schuld? (25.02.2021)




Wir alle glauben, der Zufall habe uns eine kleinliche Umwelt beschert, und andere Milieus seien besser. Wenn wir mit dem Leben unzufrieden sind, wehren wir die eigene Verantwortung dafür gern ab und schieben sie der beklemmenden Enge unseres Elternhauses zu. Die Wahrheit ist jedoch: Die Eltern haben es jeweils so gut gemacht wie sie konnten. Ich sage immer: Eigentlich lässt sich eine schöne Kindheit auch später als Erwachsener noch ein bisschen nachholen.


Warum wollen wir immer mehr von dem, was wir schon haben? (26.02.2021)




Zu jedem Komfort gehört es, dass wir ihn nur als steigend konzipieren. Konsequenterweise empfinden wir das gegebene Niveau nach einer gewissen Weile als Unkomfort und klagen seine Hebung ein, als sei dies eine dringende Forderung der Menschenrechte. Genau das ist übrigens auch der Grund für die Fassungslosigkeit der modernen Menschen angesichts von Rezessionen und ihre Bereitschaft, wegen winziger Verluste an Realeinkommen das Ende der Zeiten für nahe zu halten.


Warum vergleichen Frauen ihre Körper mehr als Männer? (01.03.2021)




Im Durchschnitt sind Frauen beziehungsorientierter als Männer und nehmen sich deshalb wechselseitig in den Blick. Durch die vergleichende Beurteilung von körperlicher Beschaffenheit lässt sich innerlich wahlweise die eigene Frische loben oder Veränderungsdruck auferlegen. Bereits in früheren Jahrhunderten gab es Plätze, auf dessen Bänken sich alte Frauen verglichen. Vorüberlaufende junge Frauen wurden vermessen und für zu griffig befunden. Bei Männern beobachten wir spätestens ab dem mittleren Alter, dass sie resigniert jeden Wettkampf aufgeben. Uns genügt es zu sagen: "Mir steht mein Penis gut."


Warum benutzen wir Emojis? (02.03.2021)




Emojis können dabei helfen, Sprachbarrieren zu überwinden und emotionale Zustände noch nuancierter auszudrücken als mit Bestimmungswörtern. Psychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Verwendung von Emojis am Ende von positiven Textnachrichten diese nochmals positiver erscheinen lassen. Nachrichten mit negativem Inhalt werden durch Emojis zwar weiterhin als negativ aufgefasst, aber in ihrer Intensität verringert.


Warum geben wir Geld für unsinnige Dinge aus? (03.03.2021)




Mitunter benötigen wir eine Selbstbestätigung für materiellen Wohlstand. Immerhin hatten wir uns früher als junge Erwachsene in Entbehrung flüssiger Mittel darauf zu beschränken, gleichsam von außen unser Gesicht an das Prunkgatter eines lusterfüllten Gartens zu pressen. Wenn wir dann später zu Geld kommen, möchten wir uns selbst und der Mitwelt durch überflüssige Güter demonstrieren, dass unser eingeschlagener Lebensweg richtig war. Der typische Denkfehler aller Wohlhabenden besteht darin, dass sie ihre zufälligen Erfolge als eigene Leistungen missdeuten.


Warum denken wir zunehmend an die Kindheit zurück? (04.03.2021)




Je älter wir werden, desto stärker kommen wir gedanklich auf unsere Kindheit und Jugend zurück. Die Jahre vor der Volljährigkeit sind die prägenden und im Rückblick deuten wir Anekdoten daraus zu Kapiteln unserer Lebensgeschichte um. Besonders gern betonen wir übrigens die vergleichsweise bescheidenen Verhältnisse, aus denen wir angeblich stammen. Die erfindungsreiche Erinnerung sieht dann ärmliche Fischerhäuser, vor deren Türen alte Frauen Netze flicken oder eine Greisin vor dem Elternhaus, die sich krumm unterm Reisigbündel müht.


Warum sind wir eitel? (05.03.2021)




Eitelkeit bedeutet ja die übertriebene Sorge um die eigene Schönheit oder die geistige Vollkommenheit. Die Betroffenen möchten unbedingt gefallen und ins Auge springen durch gutes Aussehen oder durch Wohlgeformtheit des eigenen Charakters. Indem wir attraktiv wirken wollen, suchen wir nach Selbstbestätigung dafür, dass wir in unserem bisherigen Leben vieles richtig gemacht hätten und dass wir bewunderungswürdig oder gar liebenswert seien. Der Spiegel der Selbstreflexion ist meistens jedoch an der kritischen Stelle blind.


Warum verlieben wir uns immer in den gleichen Typus? (08.03.2021)




Bei der Partnerwahl sind wir unbewusst durch unsere Schulhof-Schwärmereien beeinflusst. Hatten wir damals einen brünetten oder blonden Typus ins Auge gefasst, mit oder ohne Brille, von bestimmter Körperhaltung, vielleicht auch mit besonderen inneren Eigenschaften, so suchen wir später den Markt genau danach ab. Entscheidend ist, dass damals keine Partnerschaft zustande kam, denn wenn Liebe keine Antwort bekommt, bleibt sie frisch. Unsere Partnersuche im Erwachsenenalter kompensiert also unsere pubertären Frustrationen.


Warum können wir das Handy schlecht aus der Hand legen? (09.03.2021)




Smartphone-Apps sind so programmiert, dass wir sie möglichst lange benutzen, damit uns viele Werbebotschaften von hinlänglicher Leuchtkraft in die Augen springen können. Am effektivsten ist hierbei die "pull to refresh"-Funktion, also die Aktualisierung durch Herunterziehen des Fingers. Sie ist dem Glücksspielautomaten des Einarmigen Banditen aus Las Vegas nachempfunden. Ziehen wir den Hebel, werden wir entweder durch interessante Neuigkeiten belohnt oder es passiert vorerst nichts. In beiden Fällen können wir dann kaum unsere Finger vom Handy lassen.


Warum werden wir beim Autofahren aggressiv? (10.03.2021)




Sitzen wir im Auto, sind wir von dessen Metallhülle geschützt und fühlen uns dadurch sicher genug, gegen andere Verkehrsteilnehmer Verwünschungen auszustoßen. Hinzu kommt, dass wir ja irgendwo hinkommen wollen und die gebotene Eile dann unsere Zündschnur verkürzt. Und drittens sehen wir es ungern, wenn wir selbst alle Verkehrsregeln befolgen, andere jedoch nicht gleichermaßen durch die Straßenverkehrsordnung eingespurt sind.


Warum bekommen wir ein schlechtes Gewissen? (11.03.2021)




Der Mensch krümmt sich unter erdachten Last, die er Gewissen nennt. Es hat die Funktion, uns an unsere jeweilige soziale Gruppe zu binden. Wenn wir etwas tun, was in der für uns relevanten Gruppe geschätzt wird, haben wir ein gutes Gewissen. Und ein schlechtes Gewissen bekommen wir, wenn unser persönliches Umfeld unsere Handlungen bei Kenntnisnahme ablehnen würde. Das Gewissen hat also nichts mit Gut und Böse zu tun, sondern ist gewissermaßen ein sozialpsychologisches Gleichgewichtsorgan.


Warum lügen wir? (12.03.2021)




Alle unsere Äußerungen haben immer auch das Ziel, die Beziehung zu unseren Mitmenschen zu vertiefen. Mitunter ist hierfür eine Lüge geeigneter als die Wahrheit. Wenn wir also durch unsere Aussagen erwarten können, von unserem Umfeld gemocht zu werden, dann verhalten wir uns zur Wahrheit wie die Kuh zum Stachelzaun: Solange es etwas zu fressen gibt, hält sie sich fern; dann sucht sie eine Lücke.


Warum fällt uns das Einlassen auf eine feste Partnerschaft manchmal schwer? (15.03.2021)




Im Vergleich zu früheren Zeiten sind wir heute unabhängiger von unseren Mitmenschen. Wir können beliebige Lebensentwürfe wählen und brauchen hierfür nicht zwangsläufig feste Partner. Mitunter scheuen wir auch das Risiko, durch eine handfeste Beziehung zu Veränderungen in unserem eigenen Wohn- und Freizeitverhalten gezwungen zu werden. Es liegt also in unserer Hand, ob wir unser Bett als halb leer empfinden oder als halb voll.


Warum sind wir abergläubisch? (16.03.2021)




Beim Aberglauben schaffen wir Ordnung im Chaos der Welt, indem wir uns irgendwelche Zusammenhänge zwischen Lebenssachverhalten einbilden, aus denen wir Deutungs- und Verhaltensregeln ableiten können. Je häufiger wir dies wiederholen, desto felsenfester glauben wir an ihre Wirkmächtigkeit. Wir gehen dann quasi von guten wie bösen Geistern aus, die unablässig Zeichen ihrer Tätigkeit senden. Hier werden auch böse Zeichen Teil der guten Nachricht, dass alles, was erscheint, Sinn ergibt, sobald man sie zu lesen gelernt hat.


Warum glauben wir nur, was wir selbst für richtig halten? (17.03.2021)




Statt Neues mühsam verarbeiten zu müssen, ist es wesentlich leichter, in unseren bisherigen Landkarten des Sein zu bleiben und die Welt nach unserer Elle zu vermessen. Wir sparen Energie, wenn wir intuitiv glauben, die Welt schulde uns ihre Angleichung. Auch bei größeren Themen sind wir ständig auf der Suche nach empirischen Argumenten zugunsten unserer existenziellen Gestimmtheit. So gesehen ist jedes Lernen nur Vorfreude auf uns selbst.


Warum interessieren wir uns für Promis? (18.03.2021)




Bereits in den frühen Kulturen wurden Geschichten über Helden erzählt. Man bewunderte deren Mut und Kraft. Heute haben wir Helden durch Stars ersetzt. Der Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass ein Held meistens früh stirbt, wohingegen ein Star sich selbst überlebt. Er versucht so zu sein wie damals auf seinem Zenit. Das kann dann entweder noch immer gut oder eher von peinlicher Tendenz aussehen.


Warum möchten wir Lob und Kritik? (19.03.2021)




In der Lernpsychologie hat man die Beobachtung gemacht, dass extrovertierte, gesellige Menschen eher durch Belohnung lernen und introvertierte, ruhige Menschen eher durch Bestrafung. Das heißt: Kritisiere ich einen extrovertierten Menschen, dann wird er sich rechtfertigen und seine Ansichten trotzdem nicht für korrekturbedürftig halten. Lobe ich ihn jedoch, dann wird er das gelobte Verhalten immer und immer wieder zeigen. Bei introvertierten Menschen ist es umgekehrt. Sie nehmen Lob kaum an, aber stellen ab, was andere an ihnen kritisieren.


Warum sind wir hart im Nehmen? (22.03.2021)




Der moderne Begriff Resilienz bedeutet psychische Widerstandskraft, also die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Letztlich heißt dies, dass eigene Schlappen und Misserfolge virtuos abgedunkelt werden können, sodass sie kaum noch ins Bewusstsein eindringen. Solange man sich beispielsweise weniger krank fühlt, als man der Lage nach sein sollte, ist man schon nahezu wieder gesund.


Warum fallen uns Entscheidungen schwer? (23.03.2021)




Im Konstruktivismus kannte man die Maxime: Handle stets so, dass die Anzahl deiner Wahlmöglichkeiten steigt! Durch die Festlegung auf eine Entscheidung kappen wir also unsere künftige Auswahlfreiheit. Wir schrecken davor zurück, einen Entschluss zu fassen, der sich später als möglicherweise suboptimal herausstellt. Durch Zaudern bewahren wir uns zwar einen Schwebezustand, treten aber auf der Stelle. Tatsächlich steht in den Glasvitrinen unserer Seele allerlei Porzellan, das nach einem Elefanten verlangt.


Warum können wir bei Sonderangeboten kaum widerstehen? (24.03.2021)




Die steinzeitlichen Jäger und Sammler in uns lassen sich bereits durch die Kennzeichnung von Rabattprozenten aus der Reserve locken. Durch die Behauptung einer bald versiegenden Quelle werden wir als Legionäre des Augenblicks mobilisiert. Greifen wir unmittelbar zu, überrieselt uns der Gedanke mit Freude, im letzten Augenblick gute Beute gemacht zu haben. Ob dies vor dem Tribunal der Vernunft bestehen kann, ist einerlei.


Warum möchten wir fit aussehen? (25.03.2021)




Heute assoziiert man fit aussehende Menschen damit, dass sie sportlich aktiv auf dem Laufenden sind. Sie scheinen also überschüssige Zeit, Disziplin und Geldscheine für Fitness zu haben. Außerdem ist kalorienreiches, fettes Essen heute für jeden erschwinglich, während gesunde Biokost teuer ist. Mit einem fitten Körper möchte man also bewusst oder unbewusst auch eine gewissen Luxus ausdrücken.


Warum behalten wir Nebensächlichkeiten im Gedächtnis? (26.03.2021)




Das Gehirn ist ein Schwamm, der den Kosmos aufsaugt, in einer Art Vorratsdatenspeicherung. Da wir vorerst nicht wissen, was wir davon später benötigen werden, merken wir uns einzelne Bruchstücke, aus denen wir bei Bedarf wieder eine komplette Erinnerung zusammensetzen können. Dazu eignen sich auch winzige Details und Nebensächlichkeiten. Sobald wir uns darüber wundern, dass uns Kleinigkeiten an etwas erinnern, haben sie ihre Wirkmächtigkeit ja gerade bewiesen.


Warum vertrauen wir einander? (29.03.2021)




Aus biologischer Perspektive ist der Mensch kein Einzelgänger, sondern ein Herdentier. Um bestmöglich zu überleben, sind wir auf Kooperation angewiesen, die wiederum Grundvertrauen voraussetzt. Glück bedeutet für uns Geborgenheit im Nicht-denken-Müssen. Wir ersparen uns eigenen kognitiven Aufwand, wenn wir uns auf dasjenige verlassen, was andere Menschen vorgeben bereits durchgearbeitet zu haben. Mitunter gehen wir dadurch jedoch zielstrebig in die Irre.


Warum versagen wir in Bewerbungsgesprächen? (30.03.2021)




Wer eingestellt werden möchte, muss einige der Probleme lösen können, die das Unternehmen gerade hat. Wer das übersieht, setzt die falschen Schlaglichter. Übrigens rate ich als Psychologe bei der Frage nach den eigenen Stärken zur Antwort: "Ich mache einen Fehler nur einmal." Und bei der Frage nach den eigenen Schwächen wird am liebsten gehört: "Ich arbeite manchmal zu hart." Der psychologisch klügste Satz lautet aber: "Ich hoffe, meinen Vorgesetzten rasch zu beweisen, dass meine Intelligenz sich genau in den richtigen Grenzen hält."


Warum lieben wir Selfies? (31.03.2021)




Selfies markieren Momente, wo Weltwahrnehmung auf die Perspektive von Selbstreflexivität umschaltet. Das heißt, wir setzen uns zu unserer Umgebung in Beziehung, indem wir uns in ihren Mittelpunkt schieben. Da die menschliche Wahrnehmung besonders Gesichter sehr gut lesen kann, sind Selfies geeignet, uns in derjenigen sozialen Rolle zu inszenieren, in der wir uns gern sehen würden.

Kontaktdaten

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