Hörproben psychologischer Radiobeiträge (5)
aus dem Jahr 2026

Wohnen erwachsene Söhne näher bei der Mutter als Töchter? (MDR Jump, 2026)


Ja, das ist tatsächlich wahr. Die amerikanischen Forscher Janice Compton und Robert Pollak konnten an Hand der repräsentativen Daten aus dem US-Zensus feststellen, dass sich verheiratete, über 25-jährige amerikanische Männer durchschnittlich nicht weiter als 40 Kilometer von ihrer Mutter entfernt ansiedeln. Unverheiratete Männer brauchen sogar noch mehr Nähe und wohnen durchschnittlich nicht weiter als 24 Kilometer von ihrer Mutter. Der Grund liegt nicht etwa darin, dass Mütter auch ihren erwachsenen Söhnen noch den Kindermund mit Bonbons stopfen. Statt dessen kann die erstaunliche Wohnortnähe aus evolutionspsychologischer Sicht nicht wundernehmen. Genetische und archäologische Befunde belegen, dass schon steinzeitliche Frauen ihre Horde oder Sippe verließen, um sich den Clans ihrer Männer anzuschließen, wohingegen Männer oft in ihrer angestammten Sippe blieben. Um nämlich Inzucht zu vermeiden und politische Allianzen zu schmieden, praktizierten Jöger- und Sammlergemeinschaften die sogenannte Exogamie, also die Pflicht, außerhalb der eigenen Gruppe zu heiraten.



Sind Katzenliebhaber intelligenter als Hundeliebhaber? (MDR Jump, 2026)


Nein, das stimmt nicht. Zwar gab es einmal eine Studie der Carroll University in Wisconsin, wonach Katzenliebhaber im Schnitt introvertierter, sensibler und unangepasster waren als Hundeliebhaber und deshalb intelligenter wirkten. Jedoch wählen Menschen solche Haustiere, die ihnen ähnlich sind. Um die Lärmwut eines Hundes vorerst zu stillen, muss man die Bereitschaft mitbringen, vor die Tür zu treten und dort auf andere Hundebesitzer zu treffen, die die Konversation nicht abreißen lassen möchten. Katzenhalter nehmen da lieber dieselbe schneckenförmige Ruhestellung auf dem heimischen Sofa ein wie ihre Lieblinge.



Schmecken gestohlene Pommes besser? (MDR Jump, 2026)


Ja, das hat unlängst eine russische medizinische Akademie zu Tage gefördert. Der Geschmack von identischen Pommes wurde 120 Versuchspersonen einer Beurteilung unterbreitet, die ihnen entweder auf einem eigenen Teller serviert wurden oder von einer abgelenkten anderen Person gestohlen werden sollten. Die ergaunerten Kartoffelstäbchen schnitten als 40% knuspriger, salziger und intensiver ab. Dahinter steckt ein uralter Überlebensinstinkt, nach dem wir beim Essen auf unseren eigenen Vorteil bedacht sind und eine gute Beute dann als besonders schmackhaft empfinden. Dass unsere Geschmackswahrnehmung situationsabhängig ist, zeigt sich ja auch, wenn wir ein Fleisch mit sichernden Blicken nach rechts und links verschlingen oder wenn von einer Tafel wir mit mühsam gespieltem Gleichmut die Reste des Essens auf unseren Teller häufen. Nur laden eben Pommes wegen ihrer handlichen Form leichter zum Mundraub ein, der schlimmstenfalls durch einen Klaps auf die Finger abgewehrt wird.

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